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Hochleistungs-Sirene in Kassel-Harleshausen funktioniert wieder

Hochleistungs-Sirene am Feuerwehrhaus Harleshausen; © Feuerwehr Kassel

Öffentlich-private Partnerschaft einmal ganz anders: Mit Unterstützung der Interessengemeinschaft Warndienst und Sirenen (IG WaSi) hat die Feuerwehr Kassel die Warn-Sirene am Feuerwehrhaus im Stadtteil Harleshausen instand gesetzt. Die pneumatische Hochleistungssirene ist eine von insgesamt 24 Sirenen im Kasseler Stadtgebiet. Mit ihnen werden die Menschen in Kassel bei besonderen Gefahrenlagen wie zum Beispiel bei einem Großbrand mit starker Rauchentwicklung gewarnt.

Während der stadtweiten Sirenen-Probe im vergangenen Herbst war festgestellt worden, dass die Sirene in Harleshausen nicht funktionierte. Als Ursache dafür kam zunächst ein Defekt am Signalmotor des Schallgebers der Sirene in Betracht. Aus der vom dieselbetriebenem Kompressor im Maschinenbunker komprimierten und im Mast gespeicherten Pressluft, erzeugt dieser Schallgeber im Sirenenkopf den durchdringenden Warnton.

Man spricht von einer pneumatische Hochleistungssirene. Sie war in den 60er Jahren als Luftschutzsirene vom Bund installiert und nach Ende des Kalten Krieges von der Stadt Kassel zur Warnung bei Großschadenslagen und Katastrophen übernommen worden. Da es für den 50 Jahre alten Sirenentyp keine Ersatzteile mehr gibt, schien es zunächst erforderlich, für viel Geld eine komplett neue Sirene kaufen zu müssen.

Interessengemeinschaft Warndienst und Sirenen (IG WaSi); © Feuerwehr Kassel

"Dank des Engagements der Mitglieder der Interessengemeinschaft Warndienst und Sirenen ist es uns jedoch gelungen, die Harleshäuser Sirene wieder instand zu setzten", berichtet Ingo Happel-Emrich, Abteilungsleiter Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement bei der Feuerwehr Kassel. Mit ihrem Expertenwissen gelang es den Mitgliedern der Interessengemeinschaft festzustellen, dass der Signalmotor der Sirene nicht defekt ist. Die Ursache für die Fehlfunktion lokalisierten sie stattdessen in der Elektrik der Anlage. Die IG-Mitglieder behoben diese Fehler und erledigten noch einige weitere kleinere Instandsetzungsarbeiten. Statt eines mittleren fünfstelligen Betrags für eine neue Sirene musste die Feuerwehr Kassel so nur einen dreistelligen Betrag investieren.

Die Interessengemeinschaft Warndienst und Sirenen (IG WaSi) ist ein loser Zusammenschluss Gleichgesinnter, die berufliches oder privates Interesse am Thema Warnung der Bevölkerung und

Sirenen haben. Die IG entstand 2009 aus dem bereits seit dem Jahr 2004 existierenden Internetforum Luftschutzsirene. "Unsere Schwerpunkte sind die historische Aufarbeitung des Warndienstes und des Warnnetzes zu Zeiten des Kalten Krieges, genauso aber auch die aktuelle politische und technische Entwicklung zur Warnung der Bevölkerung", erklärt Mario Kaiser von der Interessengemeinschaft. Deren Mitglieder sichten und dokumentieren auch ehemalige und aktuelle Sirenenstandorte. Im Fokus befinden sich dabei diejenigen, an denen seltene oder historische Sirenentypen stehen. Zudem retten, restaurieren und sammeln die IG-Mitglieder Sirenen und alles was dazu gehört. Kaiser: "Gerne steht die IG mit ihrem geballten Wissen und ihren Erfahrungen als Ansprechpartner zur Verfügung."

Von den ehemals 500 pneumatischen Hochleistungssirenen in Deutschland (davon 48 in Hessen), sind heute nur noch zehn Stück betriebsbereit und im Einsatz. Von der ersten Generation, Typ Pintsch Bamag, wie sie in Kassel aufgestellt wurden ist neben der in Harleshausen nur noch eine in Nußdorf im Chiemgau im Einsatz.


Allgemeine Informationen zu dem Sirenentyp

Bezeichnung: Pneumatische Hochleistungssirene

Hersteller: Pintsch Bamag

Modelbezeichnung: Anlage 2

Baujahre: 1964 - 1967

Schalldruck (30 m): 122 dB(c)

Leistungsaufnahme Signalmotor: 300 W

Drehzahl: 6300 U/m bei 420 Hz

Dauertonfrequenz: 420 Hz

Gesamthöhe: ca. 20 Meter

Luftverbrauch: 1,2 m³ / Minute bei 10,5 Bar

Luftvorrat: 5.590 Liter

Kompressor-Leistung: ca. 500 l/min

Kompressor-Antrieb: Deutz Diesel-Motor, Leistung ca. 15 PS

Die Sirene ist netzunabhängig.


Spezielle Informationen zu der Hochleistungssirene in Harleshausen

Die Hochleistungssirene in Harleshausen wurde 1965 produziert, jedoch erst 1968 in Kassel aufgestellt. Erstmals ausgelöst wurde sie am 25. September 1968. Die Sirene steht direkt neben einem alten Schulgebäude, welches auch die Feuerwehr Harleshausen bis 1980 mit genutzt hat. Anschließend wurde das Gebäude komplett von der Feuerwehr übernommen. 1981 wurde das Gebäude um eine Fahrzeughalle erweitert, welche um die Sirene herumgebaut wurde.

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Veröffentlicht am:   23. 09. 2017